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Recycling
Verfahren, Systeme, Anlage & Endprodukt Recyclingdünger
Seit 2019 betreiben wir die deutschlandweit erste Recyclinganlage zur Herstellung von Recyclingdüngern aus Inhalten von Trockentoiletten – auf dem Gelände unseres Partners, den Kreiswerken Barnim. 2021 bis 2024 erweiterten wir unsere Anlage innerhalb des zirkulierBAR-Projektes zu einer in Europa bislang einmaligen und skalierbaren Backend-Anlage mit Humusregal und Urinaufbereitungsanlage. Mehr zu unseren Recyclingverfahren und der Qualitätssicherung erfährst du auf dieser Seite!
Das Recycling der Feststoffe aus Inhalten von Trockentoiletten
Kot und Urin sammeln wir aus Gründen der Effizienz und Hygiene in unseren Trocken- und Trenntoiletten separat als Fest- und Flüssigstoffe. Die Feststoffe durchlaufen auf unserer Anlage ein mehrstufiges Recyclingverfahren.
Schritt 1
Hygienisierung
Krankheitserreger haben in unserem Humusdünger nichts zu suchen! Deshalb ist unser „Hyco“, der Hygienisierungscontainer, der „Türsteher“ zur Verwertungsanlage: Hier werden alle angelieferten Feststoffe hygienisiert. Toiletteninhalte und Langstroh rein, Deckel zu, Sauerstoffzufuhr an – nach ca. sieben Tagen: Krankheitserreger futsch!
Mit lediglich 80 Watt wird das Material im Container eine Woche belüftet: das bringt viele fleißige Mikroorganismen auf Hochtouren, wodurch Temperaturen über 70 °C entstehen und Krankheitserreger wie beispielsweise Salmonellen oder E.coli inaktiviert werden.
In einen Hyco passen übrigens rund 50.000 große Geschäfte!
Schritt 2
Humifizierung
Nun passiert die eigentliche Magie: Der Humizfizierungsprozess! Unser Verfahren zur Herstellung von Qualitätshumus sorgt dafür, dass aus den festen, hygienisierten Toiletteninhalten wertvolle Ton-Humus-Komplexe entstehen.
Mieten aufsetzen, messen, wenden & Zuschlagstoffe
Der HyCo-Inhalt wird gemeinsam mit hochwertigen und regionalen Zuschlagstoffen wie Tonmineralen, frischem Grünschnitt und Wiesenmahd zu den sogenannten Kompostmieten aufgeschichtet. Optional fügen wir noch Pflanzenkohle hinzu.
Damit ein richtig feiner Humusdünger entsteht, ist eine optimale Sauerstoffzufuhr und Feuchtigkeitsregulierung wichtig. Deshalb werden die Mieten ca. 6-8 Wochen beinahe täglich von Wendemaschine Tina the Turner gewendet. Nach dieser Zeit ist dann mithilfe vieler fleißiger Mikroorganismen ein feinkrümeliger Humusdünger entstanden.
Auf der Pilotanlage
Auf unserer Pilotfläche findet die Humifizierung "ganz normal" am Boden statt: Die 30 Meter langen Mieten werden für eine ausreichende Durchlüftung und Durchmischung in der ersten Woche des Kompostierungsprozesses von unserer Wendemaschine „Tina the Turner“ täglich gewendet. Dabei erreichen die Mieten im Laufe der zeit an jeder Stelle Temperaturen von bis zu 65 °C. Das ist wichtig für die weitere Hygienisierung des Materials. In den folgenden Wochen muss Tina immer seltener turnen. Auf der Pilotanlage können wir vier bis fünf Mieten parallel kompostieren.
Um die Mieten vor Verdunstung oder Ausschwemmung durch Regen zu schützen decken wir sie liebevoll mit einem Vlies zu. Zusätzlich bewässern wir unsere Mieten, um einen optimalen Feuchtiugkeitsgehalt zu erreichen.
Durch diese exakt gesteuerte Kompostierung wird die Gasbildung von z. B. Lachgas sehr gering gehalten.
Im Humusregal
Unsere geliebte „kontrolliert sauerstoffversorgte Kompostierung“, die viel Arbeitszeit und durch kleine Mieten enorm viel Platz benötigt, bekommt ein neues Gewand! In einem Regalsystem können wir die Humifizierung flächen- und arbeitseffizient gestalten, ohne die Qualität des Düngers zu kompromittieren.
Mit dem Humusregal werden nun endlich Qualität und Quantität beste Freunde – durch die Stapelung von drei Mieten in einem Schienenregal und einer Teilautomatisierung. Rollos an den Außenseiten des Humusregals ermöglichen darüber hinaus einen besseren Witterungsschutz der Mieten sowohl vor Austrocknung als auch vor Ausschwemmung durch Regen.
Kontrolliert sauerstoffversorgte Kompostierung
Warum sind unsere Haufen so klein?
Wir wollen nicht irgendeinen Kompost herstellen – wir wollen bodenverbessernden Humusdünger produzieren. Dafür arbeiten wir nach dem Verfahren der sogenannten „kontrolliert sauerstoffversorgten Kompostierung“ – kurz KSK.
Wie der Name schon sagt, kommt es bei der „kontrolliert sauerstoffversorgten Kompostierung“ besonders auf den richtigen Sauerstoffgehalt an, aber auch auf die richtige Temperatur & Feuchtigkeit. Um diese Faktoren zu gewährleisten, sind unsere Mieten vergleichsweise klein. Zwei Meter Sohlenbreite und ein Meter Höhe sorgen dafür, dass sich das Material beim idealen Feuchtegehalt nicht selbst zerdrückt. So vermeiden wir Sauerstoffmangel, Fäulnis, Austrocknung und zu heiße Temperaturen, die einen Humusaufbau mit Ton-Humuskompexen verhindern würden.
Die gute Sauerstoffversorgung hat den zusätzlichen Vorteil, dass sie Krankheitserreger verdrängt. Diese halten sich lieber in anaerober Umgebung auf, während sich die „gutartige“ Mikrofauna unter Sauerstoffversorgung wohlfühlt. Die Hygienisierung des Materials passiert also nicht nur durch die Erhitzung, durch die bestimmte Organismen abgetötet werden, sondern besonders durch eine biologische Verlagerung hin zu unbedenklichen Mikroorganismen.
Schritt 3
Die Siebung
Im letzten Schritt wird der Humusdünger gesiebt. Denn leider werden besonders auf Großveranstaltungen und in unseren öffentlichen Toiletten immer wieder unkompostierbare Fremdstoffe, allen voran Feuchttücher, Menstruationshygieneartikel und Verpackungsmüll – sogar Unterwäsche – in die Toiletten geworfen.

So wird der H.I.T. fertig!
*Humusdünger aus Inhalten von Trockentoiletten
„Sepp“ das Sieb hilft uns, diese Fremdgegenstände aus dem fertigen Substrat zu filtern. Mit einem Radlader wird das vibrierende Siebdeck von oben mit Humusdünger befüllt. Feuchttücher, aber auch größere Tonklumpen und Grünschnittreste, bleiben an den Siebmaschen hängen und werden aussortiert. Die Hygieneartikel gehen in die Müllverbrennung, während die kompostierbaren Siebreste zurück in die nächste Mietencharge wandern.
P.S.: wir verleihen das Sieb im Umkreis von Eberswalde für alle möglichen Siebungsarbeiten.
Bei der Siebung nehmen wir in der Regel die Proben für die Analyse im Labor.
Recycling der Flüssigstoffe
Zu einem Nährstoffkonzentrat
Finizio arbeitet an einem innovativen Verfahren zur Urinaufbereiteung, legt den Recyclingfokus momentan vor allem auf den Humusdünger aus den festen Hinterlassenschaften. Zum Recyceln des Urins wurde im Rahmen des zirkulierBAR-Projektes auf unserer Forschungsanlage eine Urinaufbereitungsanlage mit dem erprobten VUNA-Verfahren eingerichtet, die nun als Teil des EU-Horizon Projekts P2GreeN von den Kreiswerken Barnim weiterbetrieben wird. Der Vollständigkeit halber erklären wir hier diese Art der Urinaufbereitung.
Vuna Nexus
Urinaufbereitung
Gemeinsam mit Vuna Nexus und dem DLR wurde die Anlagentechnik zu Urinaufbereitung in Eberswalde angepasst und weiterentwickelt, da das Verfahren hier zum ersten Mal nicht in einem Kellergeschoss, sondern eingehaust in einem Container unter anderen Temperaturbedingungen angewendet wird.
Im ersten Schritt der Urinaufbereitungsanlage wird in einem Bioreaktor der im Urin vorhandene Stickstoff stabilisiert. Im nächsten Schritt werden Spurenstoffe wie Medikamentenrückstände und Hormone mit einem Aktivkohlefilter entfernt. Im letzten Schritt wird die Flüssigkeit in durch einen Verdampfer konzentriert und pasteurisiert. Dadurch werden alle Viren abgetötet, die die Stickstofffixierung überlebt haben. Raus kommt ein recycelter Stickstoff-Flüssigdünger, der alle wichtigen Pflanzennährstoffe in hoher Konzentration enthält.
Qualitätssicherung
Laboruntersuchungen & DIN SPEC 91421
Die Qualität unseres Humusdüngers hat für uns oberste Priorität. Wir stellen sicher, dass Krankheitserreger und Medikamentenrückstände vollständig aus unserem H.I.T eliminiert werden und gleichzeitig eine optimale Düngewirkung erzielt wird.
Zur Sicherung unseres Standards haben wir an der Erstellung der DIN SPEC 91421 mitgewirkt. Hier werden Kontrollwerte festgelegt, an die wir uns bei der Herstellung des Recyclingdüngers aus Inhalten von Trockentoiletten akribisch halten. Wir arbeiten daraufhin, in Zukunft diese DIN SPEC zu einer DIN NORM zu erweitern.
Jede Charge unseres H.I.T. wird von akkreditierten Laboren auf die Parameter der DIN SPEC untersucht. Zu den Parametern gehören neben Keimen und Arzneimittelrückständen auch organische Schadstoffe wie Ewigkeitschemikalen und Schwermetalle.
Dünger
It takes two
Zwei unterschiedliche Verfahren, zwei unterschiedliche Dünger. Kombiniert werden Humusdünger und Flüssigdünger aus Urin zum Superdünger, der mit der Düngewirkung von mineralischem Dünger mithalten kann!
H.I.T.
Humusdünger
Unser H.I.T.* ist keine Blumenerde oder gewöhnlicher Garten-Kompost. Es ist ein qualitätsgesicherter Humusdünger. Dieser besteht dank kontrolliert sauerstoffversorgter Kompostierung und Prozesssicherheit aus Ton- Humus-Komplexen und kann sowohl sämtliche Nährstoffe im Boden vor Auswaschung schützen als auch gezielt an die Pflanzenwurzeln abgeben. Er ist sehr feinkrümelig, kann aber gleichzeitig sehr plastisch geformt werden. Das wird durch den hinzugegebenen Ton ermöglich und macht den H.I.T. zu einem Allroundtalent vor allem zur Verbesserung von leichten, sandigen Böden.
*Humusdünger aus Inhalten von Trockentoiletten
Aurin
Nährstoffkonzentrat aus Urin
In der Urinaufbereitungsanlage werden die Nährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kalium aus dem Urin in einem Mehrnährstoffkonzentrat pflanzenverfügbar aufbereitet. Dieser flüssige mineralische Recyclingdünger ist in der Wirkung vergleichbar mit synthetischen Mineraldüngern, die energieaufwändig produziert werden. Derzeit gibt es in Deutschland noch keine Genehmigung, Dünger aus recyceltem Urin auszubringen. Die gute Nachricht: 2026 ist der Dünger "Aurin" bereits in der Schweiz, Österreich, Frankreich und Liechtenstein zugelassen. Weitere Infos zu Schadlosigkeit & Düngewirkung, findest du hier.
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Recyclingtechnologie & Verfahren
Wer hat's erfunden?
Als Kompostierung bezeichnet man die Umsetzung von organischem Material durch Mikroorganismen. Bei allen mikrobiellen Stoffwechselprozessen entstehen Stoffe, die stabil oder flüchtig und potenziell klimawirksam sein können.
Bei unserem Kompostierprozess orientieren wir uns an der gelenkten aeroben Kompostierung nach Uta und Siegfried Lübke. Bei der Durchführung dieser Prozesse sind wir in ständigem Austausch mit Kompostexpert:innen wie Urs Hildebrandt, um die höchstmögliche Qualität zu erreichen. Unter guter Sauerstoffversorgung belaufen sich die Gasverluste auf ein Minimum, da die Produkte der mikrobiellen Umsetzungsprozesse stabiler sind als unter Sauerstoffarmut.
In Eberswalde entwickeln wir dieses Verfahren der kontrolliert sauerstoffversorgten Kompostierung angepasst auf menschliche Ausscheidungen und mit Blick auf Skalierbarkeit stetig weiter, wie zum Beispiel durch das Humusregal.

Donnerwetter, das hatte vorher noch keiner geschafft! 2019 durften wir als erstes Unternehmen in Deutschland eine offiziell genehmigte Recyclinganlage für Inhalte aus Trockentoiletten in Betrieb nehmen. Bis 2024 waren wir damit allein auf weiter Flur. Nun freuen wir uns über immer zahlreichere Gesellschaft von Recyclinganlagen, z.B. von Goldeimer in der Lüneburger Heide oder Holy Shit in Köln!
Komm zu einer Tour!
Auf Deutschlands erste Recyclinganlage
Wir bieten öffentliche, kostenlose Führungen über unsere Recyclinganlage in Eberswalde an. Die Termine (ca. 5x im Jahr) und Infos zu privaten Touren findest du hier.
FAQ
Krankheitserreger
Die Hygiene unserer Recyclingdünger ist das wichtigste Kriterium für Qualitätssicherung. Gemeinsam mit Expert:innen aus Wissenschaftund Praxis haben wir eine sogenannte DIN SPEC erarbeitet, in der Grenzwerte definiert sind, die ein Recyclingdünger aus Inhalten von Trockentoiletten einhalten muss, um sicher auf dem Feld ausgebracht zu werden.
Diese DIN SPEC schreibt vor, dass unser Humusdünger im Labor neben E. coli, Salmonellen und Enterokokken auch auf sehr hartnäckige Erreger wie Clostridium perfringens untersucht werden. Die Sporen von Clostridium perfringens halten Temperaturen von 100 °C stand. Weil sie in (menschlichem) Kot weit verbreitet sind, dienen sie prima als „Indikator-Organismus“. D.h. wenn selbst C. perfringens nicht mehr nachweisbar ist, deutet das darauf hin, dass alle (weniger hartnäckigen) Krankheitserreger erst recht über Bord gegangen sind. Laut DIN SPEC darf C. perfringens in unserem Humusdünger nicht mehr nachweisbar sein, also 0 koloniebildende Einheiten je Gramm (KBE/g) enthalten sein. Die sogenannte Jauche, die unbehandelt aufs Feld ausgebracht wird, mit der unser qualitätsgesicherter Humusdünger leider hin und wieder in Verwechslung gebracht wird, kann gut und gerne über 10.000 KBE/g Clostridium perfringens enthalten.
Um Clostridium perfringens innerhalb von 8 bis 10 Wochen erfolgreich zu eliminieren, braucht es neben ausreichender Hitze eine perfekt gelenkte und sauerstoffversorgte Kompostierung. Das Bakterium ist (wie die allermeisten Krankheitserreger) nämlich nur in sauerstoffarmen, fauligen Milieus überlebensfähig. Durch einen „mikrobiellen Shift“ werden solche Krankheitserreger durch humusaufbauende, sauerstoffliebende Mikroorganismen verdrängt und zu einem vollständig stabilisierten Qualitätsprodukt veredelt.
Medikamentenrückstände
Gemeinsam mit Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis haben wir sechs sogenannte Indikator-Wirkstoffe ausgewählt, auf die unsere Recyclingdünger im Labor untersucht werden. Bei der Auswahl dieser Indikatoren (sog. Proxys) wurden die am häufigsten verabreichten Wirkstoff-Gruppen und die jeweils hartnäckigsten chemischen Verbindungen berücksichtigt. Diese Proxys haben die Funktion, die riesige Bandbreite an Wirkstoffen in der der Humanmedizin möglichst gut zu repräsentieren – nach dem Motto, „wenn diese sechs Wirkstoffe erfolgreich eliminiert wurden, sind alle anderen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit längst abgebaut“.
Zu diesen Indikatoren gehören zwei Antibiotika-Varianten (Ciprofloxacin und Clarithromycin), ein Antiepileptikum bzw. Psychopharmaka (Carbamazepin), ein Schmerzmittel (Diclofenac) und ein Antibabypille-Hormon (Ethinylestradiol).
Die Eliminierung von Medikamentenrückständen funktioniert bei Finizio wie folgt:
1. Fest und Flüssig wird in unseren Toiletten separiert und darauffolgend getrennt behandelt. Die meisten Medikamentenrückstände werden über den Urin ausgeschieden, bzw. sind wasserlöslich. Daher bieten Trenntoiletten eine ideale Voraussetzung für eine zielgenaue und effiziente Eliminierung pharmazeutischer Rückstände.
2. Die wenigen verbleibenden Pharmazeutika in den Feststoffen werden Temperaturen von bis zu 75 °C und dem ‚Turbo-Stoffwechsel‘ einer kontrolliert sauerstoffversorgten Kompostierung (KSK) mit humusaufbauenden Mikroorganismen ausgesetzt. Dabei findet nachweislich ein Abbau von pharmazeutischen Rückständen statt.
3. Der getrennt gesammelte Urin, der die größte Fracht an pharmazeutischen Spurenstoffen beinhaltet, kann z.B. mit Ozonierung und/oder Aktivkohlefiltration nahezu rückstandsfrei aufbereitet werden. Im Rahmen des Forschungsprojekts zirkulierBAR, arbeiten wir in diesem Bereich mit Pionier:innen wie der Vuna GmbH aus der Schweiz und dem Deutschen Luft- und Raumfahrtzentraum (DLR) eng zusammen. Da unsere Prototypen bisher nur geringe Mengen behandeln können und es uns für den Urin an einer Zulassung als Ausgangsstoff für Düngemittel fehlt, müssen wir leider den überwiegenden Teil unserer Urin-Ausbeute in die Kanalisation entsorgen. Wir arbeiten für eine zeitnahe Anpassung des rechtlichen Rahmens.
Kompost gleich Kompost?
Sauerstoffgehalt unter 5 % stattfinden – das wird dann handelsüblich „Kompost“ genannt. Wir wollen allerdings einen Humusdünger den Schlüssel für hohe Wasserspeicherkapazität, gebundenen Kohlenstoff und pflanzenverfügbare Nährstoffe und Bodenverbesserung. Dafür muss sich die Biomasse während des Kompostierungsprozesses in stabile Ton-Humus-Komplexe wandeln. Das geschieht nicht durch Zauberhand, sondern durch humifizierende Bakterien. Diese fühlen sich wiederum nur bei min. 5 % Sauerstoff- und 55-60 % Feuchtigkeitsgehalt wohl. Darüber hinaus sterben humifizierende Bakterien bei Temperaturen über 65 °C ab. Während wir im Hygienisierungscontainer Temperaturen über 70 °C für eine kompromisslose Eliminierung von Krankheitserregern willkommen heißen, sorgen wir bei der Humifizierung dafür, dass die Mieten auch in der intensivsten Rottephase im Bereich 55 °C-65 °C bleiben.
Siebverleih
Weitere Recyclinganlagen in Deutschland
- 2019 war Finizio das einzige und erste Unternehmen, das eine eigene Pilotanlage zur Verwertung von Inhalten aus Trockentoiletten in Eberswalde, Brandenburg, in Betrieb genommen hat. Und das aus gutem Grund, schließlich sind bis heute weder die Verarbeitung zu Humusdünger, noch die landwirtschaftliche Ausbringung der Dünger legal. Ein enormer Kraftakt also, Ausnahmegenehmigungen für die Errichtung und den Betrieb unserer Recyclinganlage zu beantragen und diese immer wieder zu erneuern. Doch es hat sich gelohnt – im Rahmen des vom BMBF geförderten zirkulierBAR-Projekts konnten wir ab 2021 unsere Pilotanlage um eine skalierbare Recyclinganlage für Inhalte aus Trockentoiletten erweitern, mit Humusregal und Urinaufbereitungsanlage. Auf unserer Anlage arbeiten wir mit dem Verfahren der kontrolliert sauerstoffversorgten Kompostierung: Nachdem die festen Ausscheidungen im Hygiensierungscontainer, dem HyCo, von Keimen befreit werden, werden sie unter Zugabe hochwertiger Zuschlagstoffe bei regelmäßigem Wenden und Bewässerung zu einem qualitsgesicherten Humusdünger verarbeitet.
- Im Herbst 2023 erblickt ein zweiter Standort zum Recycling von Trockentoiletteninhalten das Licht der Welt: Anastasia Bondar geht mit ihrem Unternehmen Holy Shit in Köln den ersten Schritt in Richtung Recyclinginfrastruktur und stellt auf dem Gelände der Stadtentwässerungsbetriebe Köln einen zweiten HyCo auf. (…der vorher übrigens bei uns in Eberswalde seinen Dienst getan hat ;) ).
- Auch in der Lüneburger Heide regt sich etwas Anfang 2024. Auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Ollsen ensteht im Rahmen des EU-Verbundprojektes P2GreeN die dritte Recyclinganlage. Das Unternehmen Goldeimer betreibt die Anlage und will hier zukünftig Inhalte aus seinen Trockentoiletten zu Dünger recyceln. Auch hier gibt es für den Start der Behandlung einen HyCo, das restliche Recyclingverfahren sieht jedoch etwas anders aus als das von Finizio verwendete Verfahren.


















