Scheisslegal
Politische Meilensteine Zur Legalisierung von Recyclingdünger
Auch auf unseren sozialen Medien unter #scheisslegal!
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Um den menschlichen Nährstoffkreislauf vollständig zu schließen, müssen unsere Nährstoffe in Form von Recyclingdünger eine Verwendung in der Landwirtschaft finden. Aktuell ist es in Deutschland rechtlich noch nicht möglich, konventionellen Dünger mit Recyclingdünger aus Inhalten von Trockentoiletten zu ersetzen.
Folgende Wege wären denkbar, wobei wir die erste beiden Optionen favorisieren und vorantreiben:
Auswahl und Vereinheitlichung eines Abfallschlüssels für Trockentoilettenhinhalte
von zirkulierBAR / März 2024
Unser drittes Positionspapier zum Thema einheitlicher Abfallschlüssel für Inhalte aus Trockentoieltten zeigt:
Das vollständige Positionspapier und den Appendix dazu findet ihr hier und auf zirkulierBARs Homepage! Der Text und die Grafiken sind CC BY-SA 4.0 lizensiert wie alles, was zirkulierBAR veröffentlicht. Also nutzt die Inhalte und teilt sie mit eurer Community!
Erratum: Falls du das Positionspapier vor dem 10. April 2024 runtergeladen hast – es hat sich ein kleiner Fehler eingeschlichen. Die korrigierte Version findest du jetzt unter dem Button!
EU-Recht nutzen, um Märkte zu erweitern und Ressourcen zu schonen
von zirkulierBAR / November 2023
Unser zweites Positionspapier zum Thema EU-Recht nutzen, um Märkte zu erweitern und Ressourcen zu schonen, zeigt auf Basis von Forschung und Praxis:
Das vollständige Positionspapier und den Appendix dazu findet ihr hier und auf zirkulierBARs Homepage! Der Text und die Grafiken sind CC BY-SA 4.0 lizensiert wie alles, was zirkulierBAR veröffentlicht. Also nutzt die Inhalte und teilt sie mit eurer Community!
Recyclingdünger: warum wir eine Anpassung rechtlicher Rahmenbedingungen brauchen, um Wasser zu sparen, Schadstoffe zu reduzieren und Ressourcen zu schonen
von zirkulierBAR / September 2023
Unser erstes Positionspapier zum Thema rechtlicher Rahmen für die Herstellung und den Einsatz von Recyclingdüngern zeigt auf Basis von Forschung und Praxis:
Das vollständige Positionspapier und den Appendix dazu findet ihr hier und auf zirkulierBARs Homepage! Der Text und die Grafiken sind CC BY-SA 4.0 lizensiert wie alles, was zirkulierbar veröffentlicht. Also nutzt die Inhalte und teilt sie mit eurer Community!
Vorgefertigte Sanitärsysteme ohne Anschluss an Wasserversorgung und Kanalisation – Anforderungen und Produktmerkmale
Ein wesentliches Problem der Sanitärversorgung in Gebieten mit unzureichenden Infrastruktursystemen besteht in der Tatsache, dass herkömmliche, wasserbasierte Sanitärsysteme bestehend aus Spültoilette, Schwemmkanalisation, und Kläranlage, auf die dauerhafte Verfügbarkeit von Wasser angewiesen sind.
Sanitärsysteme, die Wasser als Transportmedium zwingend benötigen, können in Gebieten mit unzureichenden Infrastruktursystemen aus finanziellen, technischen und/oder ökologischen Gründen oftmals nicht implementiert werden und bieten somit keine nachhaltige Sanitärlösung. Hierzu zählen ländlich strukturierte Gebiete, Einzelgrundstücke im Außenbereich, Sanitäranlagen in Grün-, Park- und Kleingartenanlagen oder temporäre Einrichtungen, wie Baustellen, Event- und Festivaltoilettenanlagen.
Ein weiterer Nachteil solcher Systeme ist die mangelnde Umsetzung des Kreislaufwirtschaftsprinzips. Die Rückgewinnung im Abwasser enthaltener Ressourcen ist in der konventionellen Siedlungswasserwirtschaft der Behandlung und Entsorgung untergeordnet.
Die getrennte Erfassung der Stoffströme Urin und Fäzes ist dahingehend beispielsweise durch den Einsatz von modernen Trocken(‑trenn)toiletten möglich. Im Vergleich zu den wasserbasierten Systemen reduzieren Sanitärsysteme ohne Wasser als Transportmedium (SanoWa) — d. h. ohne Anschluss an Wasserversorgung und Kanalisation — deutlich das Volumen der zu behandelnden Stoffströme. Die getrennte Behandlung erlaubt Wertschöpfung, wo dies bisher nicht möglich war. Ressourcen können leichter zurückgewonnen werden, der Wasserverbrauch reduziert und die Effizienz und Flexibilität der Systeme erhöht werden.
In Deutschland gibt es daher verstärkt Initiativen, bestehende Konzepte für Trockentoiletten zu implementieren. Insbesondere an dezentralen Standorten sind wasserlose Sanitärlösungen zunehmend beliebt.
Zwar gibt es eine Vielzahl technischer Varianten für Sanitärsysteme ohne Wasser als Transportmedium, bisher jedoch keine Norm, die allgemeine Kriterien für das Design, bauliche Anforderungen sowie die Prüfung der Funktionsfähigkeit der Anlagen vorgibt.
Daher hat nun ein Team international und national agierender Wasserwirtschaftler*innen aus dem Arbeitsausschuss NA 051 BR-05 SO „Autarke Sanitäranlagen“ des DIN-Normenausschusses Kommunale Technik (NKT) eine Norm für den deutschsprachigen Raum ausgearbeitet, um Genehmigungsbehörden, Planer*innen, Anwender*innen und Interessierten Kreisen eine verlässliche Basis für den Einsatz von Sanitärsystemen anzubieten, die ohne Anschluss an Wasserversorgung und Kanalisation betrieben werden können.
DIN 30762:2022 beinhaltet Grundlagen, Anforderungen, und Produktmerkmale für Trockentoiletten, Trockentrenntoiletten, Komposttoiletten und Einstreutoiletten und ist bereits jetzt über den Beuth Verlag verfügbar.
Ziel dieser Norm ist es durch Kriterien für das Design und bauliche Anforderungen ein hohes Maß an Qualität, Komfort und Sicherheit zu erreichen und zu erhalten.
Am 20.10.21 startete das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms REGION.innovativ geförderte dreijährigen Forschungsprojekts „zirkulierBAR“. Rund 20 interessierte Städte und Kommunen, elf Konsortiumsmitglieder und eine gemeinsame Vision: eine kommunale Nährstoffwende einleiten, indem Nährstoffe aus verzehrten Lebensmitteln zurückgewonnen und diese im Sinne einer nachhaltigen regionalen Kreislaufwirtschaft wieder der Landwirtschaft zugeführt werden.
Herzstück des Projektes ist die seit 2018 betriebene Pilotanalge von Finizio. Diese wird zu einem Reallabor erweitert und technisch weiterentwickelt. Dafür stellen die Kreiswerke Barnim einen Teil ihres Betriebsgeländes zur Verfügung. In den kommenden drei Jahren werden dort gewerblich gesammelte Inhalte aus Trockentoiletten zu Humuskompost und flüssigem Mehrnährstoffdünger veredelt. Urin und Fäzes enthalten nämlich ca. 80 Prozent der Nährstoffe, die in kommunalem Abwasser enthalten sind. Größere Kläranlagen sind ab 2029 verpflichtet, diese Nährstoffe, wie Phosphor oder Stickstoff, zurückzugewinnen.
Zwei Forschungsschwerpunkte hat das Konsortium definiert: 1. Die Qualität und hygienische Unbedenklichkeit der Recyclingdünger vergleichbar zu herkömmlichen synthetischen Düngern sowie tierischen Wirtschaftsdüngern zu sichern und zu standardisieren, und: 2. die rechtlichen und kulturellen Barrieren, die beim Einsatz und der Akzeptanz von Recyclingdüngern entstehen könnten, abzubauen.
Was jetzt in Barnim auf kommunaler Ebene beginnt, soll mittel- und langfristig bundesweit bei Neubausiedlungen, Hotelneubauten, auf Festivals, oder in Tourismusgebieten zum Einsatz kommen und lineare Logistikketten zu einem bioökonomischen zirkulären Abfallsystem transformieren.
2021
Das Dokument zur Sanitär- & Nährstoffwende „Ressourcen aus der Schüssel sind der Schlüssel“ richtet sich an politische Entscheidungsträger:innen auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene, die sich für Ressourcen- und Klimaschutz sowie eine nachhaltige Daseinsvorsorge einsetzen wollen, sowie an Planer:innen und Praktiker:innen der Kreislaufwirtschaft. Im Fokus steht die Ressourcenschonung durch Kopplung von zirkulärer Nahrungsmittelproduktion mit nachhaltiger regionaler Wertschöpfung aus sanitären Nebenstoffströmen. naehrstoffwende.org
Mit einer Rückbesinnung auf regionale Nährstoffkreisläufe zur Produktion von Nahrungsmitteln kann eine umweltverträgliche und nachhaltige Transformation der Landwirtschaft eingeleitet werden. Das Papier „Die Zukunft is(s)t nachhaltig, regional und zirkulär“ erläutert wichtige Gründe mit Hintergrundinformationen Nährstoffkreisläufe und Agrarwertschöpfungsketten regional zu schließen. Dazu werden mögliche Instrumente und Politikempfehlungen zur Umsetzung regionaler Nährstoffkreisläufe dargestellt. naehrstoffwende.org
2020
Es ist soweit: Die DIN SPEC 91421 mit dem Titel „Qualitätssicherung von Recyclingprodukten aus Trockentoiletten zur Anwendung im Gartenbau“ ist veröffentlicht. Das Deutsche Institut für Normung legt damit ein erstes technisches Regelwerk vor, das eine Antwort auf folgende Frage bietet: Unter welchen Qualitätskriterien können Recyclingdünger aus Trockentoiletten sicher und schadlos für Mensch und Umwelt genutzt werden.
Diese DIN SPEC ersetzt noch keine düngerechtliche Zulassung unseres Humusdüngers. Sie ist auf dem Weg dort hin allerdings ein enorm nützliches Dokument, da sie erste normative Qualitätskriterien für eine schadlose Inverkehrbringung von Recyclingdüngern aus Trockentoiletten bietet.
Ein Riesen Dankeschön geht an Ariane Krause vom Leibniz Institut für Gemüse und Zierpflanzenbau (IGZ), Jan Everding von der DIN und all die vielen tollen Partner*innen vom Netzwerk für Nachhaltige Sanitärsysteme (NetSan e.V.), die dieses Dokument möglich gemacht haben!
2019
Unsere Pilotanlage in Eberswalde ist deutschlandweit die erste (und bis 2024 auch einzige) genehmigte, gewerbliche Anlage, die eine Verwertung von Inhalten aus Trockentoiletten zu hochwertigen Humus-Substraten ermöglicht. Darum verwerten wir auch die Toiletteninhalte von unseren Kollegen und befreundeten Unternehmen wie Goldeimer oder Ecotoiletten mit.
So konnten wir dieses Jahr insgesamt 75 t Feststoffen mit Zuschlagsstoffen zu insgesamt 150m³ hochwertigem Humus veredelt. Dieses Substrat wird momentan in diversen Laboren auf Nährstoff-, Hygiene- und Schadstoffparameter untersucht und soll im Frühjahr 2020 für landwirtschaftliche Feldversuche in der Region angewendet werden.
Die rund 200.000 Liter Urin, die dieses Jahr in unseren Toilettensystemen gesammelt wurden, mussten vor allem aus düngerechtlichen Gründen in Kläranlagen entsorgt werden. Doch auch in diesem Bereich arbeiten wir auf politischer und technischer Ebene an einer Nutzbarmachung dieser kritischen Ressource.

Labor- & Feldversuche